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MN, 18.1.17 Claudia Bader:

Barocke Werke voll Optimismus

Das Neujahrskonzert des Cantemus-Chors mit dem Orchester L’arpa festante verzaubert in St. Michael.

Gemeinsam mit dem bekannten und renommierten Barockorchester „L´arpa festante“ sowie Vokalsolisten setzte der Kammerchor im Cantemus-Chor Krumbach bei seinem Neujahrskonzert mit barocker Chor- und Orchestermusik von Homilius, Gebel und Pergolesi Glanzlichter.

Foto: Claudia Bader

Wenn Musik die Kraft hätte, auf die Zuhörer Zuversicht, Glauben und Hoffnung zu übertragen, dann dürften sich die Besucher des Krumbacher Neujahrskonzerts 2017 auf eine wunderbare Zeit voller Vertrauen und Lebensmut freuen. Mit dem renommierten Barockorchester „L’arpa festante“ sowie Vokalsolisten vermittelte der Kammerchor im Cantemus-Chor Krumbach in der Stadtpfarrkirche St. Michael mit barocker Chor- und Orchestermusik von Homilius, Gebel und Pergolesi Musikgenuss.

„Noch liegt das neue Jahr wie ein weißes, unbeschriebenes Blatt voller Unwägbarkeiten vor uns“, sagte Stadtpfarrer Josef Baur. Und weiter: „Wenn wir fröhlich erwarten, was der Herr für uns bereithält, wird auch 2017 ein Jahr der Gnade sein.“

Obwohl sie in unsicheren Zeiten des 18. Jahrhunderts lebten, haben sich die Komponisten, die der Cantemus-Chor für sein Neujahrskonzert ausgewählt hat, in ihren Werken voll Hoffnung an Gott gewandt, verdeutlichte Vorsitzende Brigitte Rossdal. Ihren Wunsch nach musikalischen Glücksmomenten für die zahlreichen Besucher setzten Chor, Orchester und Solisten, die sich zum ausgezeichnet harmonierenden Klangkörper formiert hatten, mit den ersten Tönen um. „Wünschet Jerusalem Glück!“ tönte es in der „Kantate zum Neujahrsfest“ mächtig durch die ausgezeichnete Akustik des Kirchenraums. Obwohl Gottfried August Homilius dieses Werk bereits vor mehr als 250 Jahren komponiert hat, passen seine Gedanken, vor allem der inständige Wunsch nach Frieden, genau in die heutige Zeit.

Souverän und in blendender Spiellaune bereitete das mit Originalinstrumenten aus dem Barock, zum Beispiel der zur Familie der Lauteninstrumente zählenden Theorbe, besetzte Orchester L’arpa festante dem Neujahrsoratorium „Erzählet, ihr Himmel, die göttlichen Werke“ von Georg Gebel ein sorgfältig ausgelotetes Stimmungsfundament. In gelungenem Zusammenwirken und effektvollem Wechsel verliehen Chor und Solisten den einzelnen Sätzen, darunter drei Strophen des bekannten Liedes „Nun danket alle Gott“ eine große geistliche Tiefe und Wärme, die Musik und Raum zu einer Einheit verschmolz.

Exzellent war auch die einfühlsame Interpretation der stimmenmächtigen Vokalsolisten. Während Sopranistin Annette Sailer Leuchtkraft mit tonlicher Fülle verband, verzauberte Altistin Elisabeth Neuburger mit klarer, weicher Stimme. Mit seinem kraftvoll strömenden Tenor bereicherte Bernhard Appich die packende Interpretation ebenso wie Manuel Wiencke mit ausdrucksstarkem Bass. Dietmar Schiersner als Dirigent ließ das Orchester seine präzise vorgetragenen Intentionen mit technischer Brillanz und Gestaltungsfähigkeit umsetzen. Hörbar war auch die professionelle Substanz des Chors. Stimmkultur und Stilempfinden werden hohen Ansprüchen gerecht.

Wie ein unendliches Gotteslob erfüllte zum Schluss die Psalmvertonung „Laudate Pueri Dominum“ von Giovanni Battista Pergolesi den Kirchenraum. Die überwältigende Ausdrucksfülle des in Latein gesungenen Werks weckte bei den Zuhörern einen Eindruck des Mühelosen und ließ nur ahnen, wie viel Können und Arbeit sich dahinter verbargen. Erst nach Sekunden der Atemlosigkeit brachten die Besucher ihre Begeisterung über die Einstimmung auf das neue Jahr mit nicht enden wollendem Applaus zum Ausdruck.

 

Kinderchöre:                                                                                                    

„Sing mit im Chor! Hab mit uns Spaß!“ – Mit diesem Kinderliedtext lädt der Cantemus-ChorKrumbach von dieser Woche an wieder Kinder und Jugendliche zum Chorsingen ein.

Seit dem Jahr 2000 gibt es sie schon: Die Kinderchöre der „Minis“ für Kinder von 3 bis 6 Jahren und der „Maxis“ für Kinder von 6 bis 9 Jahren sowie den Juniorchor für 9 bis 15-Jährige. Unzählige Veranstaltungen haben die jungen Sänger seither musikalisch gestaltet und umrahmt und sind zu einem festen Bestandteil der Chorlandschaft in Krumbach und Umgebung geworden. Neueinsteiger sind zu den Proben herzlich willkommen.

 Dabei freut sich der Vorstand des Cantemus-Chores, unter dessen Vereinsdach diese musikpädagogischen Angebote geschaffen wurden, ganz besonders, dass mit Annika Egert eine geeignete und bestens qualifizierte Nachfolgerin für die Chorleitung bei den jüngsten Sängern gefunden wurde. Aus Lauingen stammend, hat die 22-Jährige nicht nur einige Erfahrung im Gruppenmusizieren und Ensemblespiel, sondern beherrscht selbst auch mehrere Instrumente.

Ihre Berufsausbildung mit Hauptfach Gesang und die Staatliche Abschlussprüfung hat Annika Egert an der Berufsfachschule für Musik in Krumbach absolviert. Nun führt sie, nachdem die bisherigen Leiterinnen Dagmar Held und Katharina Mair nicht mehr zur Verfügung standen, die Kinderchöre der „Minis“ und der „Maxis“ als Staatlich geprüfte Chorleiterin weiter. „Vor allem das Singen hat es mir angetan“, so sagt sie, die auch Mitglied im Bayerischen Landesjugendchor ist, von sich selbst. Und weiter: „Da ich selbst als Kind schon begeistert musiziert und gesungen habe, finde ich es sehr wichtig, dass den Kindern Möglichkeit und Umgebung geschaffen wird, damit sie Spaß und Freude an der Musik haben.“

So kann die „Neue“ mit dieser Einstellung nahtlos anknüpfen an das, was auch der bisherigen Kinderchorleitung stets wichtig war. Vorsitzende Brigitte Rossdal dankte darum ganz herzlich den scheidenden ChorleiterinnenDagmar Heldund Katharina Mair für ihre jahrelange hochengagierte und mit viel Begeisterung betriebene Kinderchorarbeit. Immer wieder sei spürbar gewesen, wie dieser Funke auf die Kleinen übergesprungen sei, wenn sie mit Feuereifer ihre Spiel- und Bewegungslieder probten und vortrugen. Ebenso herzlich hieß der Vorstand Annika Egert willkommen und wünschte alles Gute für den Start.

Geprobt wird im „Haus St. Michael (2. Stock)“ in Krumbach am Donnerstagnachmittag. Die „Minis“ proben ab sofort von 15 – 15.30 Uhr, die „Maxis“ jeweils von 15.45 – 16.30 Uhr. Der Juniorchor unter Leitung von Sabine und Wolfgang Schiersner probt mittwochs von 17 – 17.45 Uhr in der Geschäftsstelle in der Jochnerstraße. Dort können auch weitere Infos erfragt werden unter Tel. 08282/61551 oder per mail unter cantemus-chor-krumbach@t-online.de. (pm) MN, 21.9.16

Kreischorkonzert Wettenhausen
Augsburger Allgemeine online, 28.4.15

Chor ist nicht gleich Chor

Im Wettenhauser Kaisersaal zeigt sich, dass sich die Ensembles nicht nur in ihren Outfits unterscheiden. 18 Männer ernten besonderen Beifall Von Emil Neuhäusler

Der Männergesangverein Liederquell Mindelaltheim fiel beim Kreischorkonzert im Kaisersaal Wettenhausen nicht nur durch die sonoren männlichen Stimmen auf. Dirigent Johann Schramm, der seine Sänger auch mit der „Quetsche“ begleitete, wurde im Rahmen des Konzerts zum stellvertretenden Kreischorleiter ernannt.

Unter dem Motto „So singen wir!“ präsentierten am Sonntagabend im Kaisersaal in Wettenhausen vier Chöre des Kreis-Chorverbandes Mittelschwaben eine große, abwechslungsreiche Bandbreite des Chorlebens. Vor allem aber hinterließen der Gesangverein Liederkranz an der Günz, der Gesangverein Burtenbach, der Männergesangverein Liederquell Mindelaltheim und der Cantemus-Chor Krumbach den Eindruck, dass das Singen im Chor offensichtlich Spaß macht.

Eine Auszeichnung gab es für Johann Schramm, Dirigent des MGV Mindelaltheim: Die Vorsitzende des Kreischorverbandes, Anja Schinzel, ernannte ihn zum stellvertretenden Kreischorleiter.

Die Zuhörer, unter ihnen Schwester Priorin Amanda und Landrat Hubert Hafner, konnten neben den gesanglichen Fähigkeiten weitere Unterschiede der einzelnen Chöre erkennen: nicht nur beim Outfit der Sänger – meist schwarz, bei den Frauen mit Schals und bei den Männern mit Krawatten in der gemeinsamen Chorfarbe belebt. Ganz unterschiedlich zeigen sich auch die einzelnen Chorleiter: Mit wechselnder Intensität setzen sie ihren Körper, ihre Mimik und Gestik ein, um ihre Sänger zum feinsten Piano oder wuchtigen Forte zu führen. Gerade der barocke Kaisersaal mit seiner hervorragenden Akustik eröffnet Chören und Chorleitern beste Möglichkeiten, ihren Vortrag dynamisch und wohlklingend zu gestalten.

Mit kurzen und zackigen Fanfaren, einem Menuett, dem „March in G“ und „Easy to enjoy“ markierte die Jugendbläsergruppe Wettenhausen, besetzt mit zwei Klarinetten und drei Trompeten, munter den Beginn des Konzertes und das Ende der Pause. Als erster Chor betraten die neun Herren und 17 Damen des Gesangvereins Liederkranz an der Günz aus Ichenhausen die Bühne. Vorsitzender Fridolin Bissinger verriet, dass der Chor nach Jahren der traditionellen kirchlichen und zeitgenössischen Musikliteratur in diesem Jahr den Schwerpunkt auf „Volksmusik in neuem Gewand“ lege. Die Zuhörer bekamen nun erste Kostproben dieser Chorrichtung zu hören. Bekannte Volkslieder wie „Horch was kommt von draußen rein“, „Jäger und Kuckuck“, „Im schönsten Wiesengrunde“, „Auf freien Bergeshöhen“ und „Wohlauf in Gottes schöne Welt“ erklangen nicht mehr im bekannten harmonischen Satz, sondern verfremdet mit Molleinschlägen, Dissonanzen oder interessanten Variationen einzelner Textstellen. Großen Wert legte Chorleiterin Schwarzmann auf eine ausgezeichnete Artikulation.

Den Gesangverein Burtenbach gibt es seit 95 Jahren, erklärte Vorsitzender Heinz Gruber. Der Chor unter Leitung von Wolfram Seitz gefiel vor allem durch das Herausarbeiten feinster Piani und starker Forte. An den Anfang stellten die Burtenbacher mit „Süße Liebe liebt den Mai“ und „Zum Tanze, da geht ein Mädel“ zwei traditionelle Chorwerke. Ausdrucksstark interpretierten sie „I am Sailing“. Mit lautmalerischem Anschwellen von Vokalen wurden die „Träume aus der Kinderzeit“ in Erinnerung gerufen. Der moderne Satz zu „Horch der erste Laut“ verlangte vor allem in den Höhen große Stimmdisziplin. Die größte Bewährungsprobe bestanden sie im letzten Beitrag „Auf de schwäbsche Eisebahne“ als moderne Komposition mit schwieriger Harmonie und Rhythmuswechseln.

Ein Highlight des Konzerts war einer der letzten Männerchöre im Landkreis, der Liederquell Mindelaltheim. Seit 1964 besteht er, erzählte Vorsitzender Johann Huber, und wird, verstärkt mit Männern aus Freihalden und Burtenbach, mit 18 Sängern, denen neben dem Gesang die Kameradschaft sehr am Herzen liegt, am Leben gehalten. Die Vorträge der sonoren männlichen Stimmen, dirigiert und teilweise mit der „Quetsche“ begleitet von Johann Schramm, waren ein Hörgenuss, sehr homogen, wohlklingend, angereichert mit Crescendi vom fast stimmungslosen Laut hin zu leidenschaftlichem Ausdruck. Als Zugabe bejubelt wurde der Männerchor-Klassiker „Es löscht das Meer die Sonne aus“.

Mit großer Stimmkultur ließ am Schluss der Cantemus-Chor Krumbach aufhorchen. Hatte sich dieser Kammerchor, wie Vorsitzende Brigitte Rossdahl darlegte, sich bisher fast ausschließlich auf Kirchenmusik konzentriert, eignen sich seit vergangenem Jahr die 22 Sänger unter Leitung von Dietmar Schiersner auch weltliche Chormusik an. Die rhythmisch und intonatorisch ge-schulten Stimmen der einzelnen Chormitglieder fanden nach divergierender Kontrapunktik immer wieder in schönster Harmonie zusammen.